Jahrelang wurde digitales Marketing durch ein einfaches Ziel bestimmt: möglichst weit oben in den Google-Suchergebnissen zu erscheinen.
Wer hochwertige Inhalte, starke Backlinks und eine technisch optimierte Website hatte, konnte neue Besucher und Kunden gewinnen.
Doch im vergangenen Jahr erleben wir einen Wandel, der ebenso bedeutend sein könnte wie die Einführung der Suchmaschine Google vor zwei Jahrzehnten.
Immer mehr Nutzer suchen heute nicht mehr über Google nach Antworten.
Stattdessen öffnen sie ChatGPT, Gemini, Perplexity oder Copilot und stellen direkte Fragen:
„Welches ist das beste Hotel in den Alpen?“
„Welche Agentur erstellt hochwertige Websites?“
„Welches SEO-Tool eignet sich am besten für kleine Unternehmen?“
Die Antwort, die sie erhalten, besteht nicht mehr aus einer Liste von Links.
Sie erhalten eine konkrete Empfehlung.
Genau deshalb entsteht derzeit eine völlig neue Disziplin im digitalen Marketing.
Adobe warnt: Die Suche verändert sich

Vor wenigen Tagen veröffentlichte Adobe einen Artikel über die Veränderungen bei der Art und Weise, wie Menschen Produkte, Dienstleistungen und Unternehmen entdecken.
Die Botschaft ist eindeutig:
Der Fokus liegt nicht mehr ausschließlich auf SEO und guten Google-Rankings.
Immer wichtiger wird, wie Künstliche Intelligenz eine Marke beschreibt und ob sie diese als vertrauenswürdige Informationsquelle betrachtet.
Mit anderen Worten:
Es reicht nicht mehr aus, auf der ersten Seite der Suchergebnisse zu erscheinen.
Unternehmen müssen auch von KI-Systemen als relevant, glaubwürdig und vertrauenswürdig eingestuft werden.
Dies entspricht im Wesentlichen derselben Botschaft, die Semrush in den letzten Monaten verstärkt kommuniziert.
Eine völlig neue Branche entsteht

Profound is the enterprise leader in AI visibility tracking
Immer wenn neue Herausforderungen entstehen, entwickelt der Markt neue Lösungen.
In den vergangenen Monaten ist eine neue Generation von Tools entstanden, deren Aufgabe darin besteht, zu analysieren, wie Künstliche Intelligenz eine Marke wahrnimmt.
Diese Plattformen beantworten Fragen wie:
- Wie beschreibt ChatGPT mein Unternehmen?
- Empfiehlt Gemini meine Marke?
- Welche Quellen verwendet Perplexity, wenn über mein Unternehmen gesprochen wird?
- Welche negativen Informationen werden von KI-Systemen am häufigsten erwähnt?
Semrush gehört zu den bekanntesten Anbietern in diesem Bereich, ist jedoch längst nicht mehr allein.
Heute gibt es Plattformen wie Profound, AthenaHQ, Goodie AI, LLMrefs, ZipTie und zahlreiche weitere Lösungen, die versuchen, die sogenannte AI Visibility einer Marke zu messen.
Noch vor einem Jahr existierte diese Art von Analyse praktisch nicht.
KI merkt sich auch negative Informationen

Eines der spannendsten Themen innerhalb der SEO-Branche ist derzeit die Frage, wie KI-Systeme Marken und Unternehmen darstellen.
Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass Google AI Overviews in bestimmten Situationen negative Informationen sogar häufiger hervorheben können als ChatGPT.
Natürlich bleiben die meisten KI-generierten Antworten neutral oder positiv.
Gibt es jedoch bekannte Probleme mit dem Kundenservice, versteckte Kosten, Qualitätsmängel oder eine große Anzahl negativer Bewertungen, werden diese Informationen häufig in die Antworten integriert.
Aus diesem Grund verwendete Semrush in einer seiner Kampagnen die Aussage:
„One bad AI mention can outweigh 100 good ones.“
Auch wenn diese Formulierung bewusst provokativ ist, bleibt die Kernaussage wichtig:
Negative Informationen, die sich häufig im Internet finden, können Teil der Antworten werden, die Nutzer täglich von KI-Systemen erhalten.
Wissenschaftliche Studien bestätigen den Wandel

How Generative AI Disrupts Search: An Empirical Study of Google Search, Gemini, and AI Overviews
In den vergangenen Monaten wurden mehrere Studien veröffentlicht, die untersuchen, wie KI-gestützte Suche funktioniert.
Die Ergebnisse sind bemerkenswert.
Im Gegensatz zur klassischen Google-Suche, die eine Liste von Suchergebnissen anzeigt, versuchen KI-Systeme Informationen aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen und daraus eine einzige Antwort zu erstellen.
Noch wichtiger ist, dass Studien darauf hindeuten, dass KI-Systeme unabhängigen Quellen häufig mehr Vertrauen schenken als Informationen, die Unternehmen selbst auf ihren Websites veröffentlichen.
Das bedeutet in der Praxis:
Wenn ein Hotel auf seiner Website behauptet, das beste Hotel in den Alpen zu sein, wird KI dieser Aussage nur begrenzte Bedeutung beimessen.
Wenn dieselbe Einschätzung jedoch auf folgenden Plattformen erscheint:
- Tourismusportalen,
- Nachrichtenwebsites,
- Fachpublikationen,
- Google-Bewertungen,
- Foren,
- sozialen Netzwerken,
dann steigt die Wahrscheinlichkeit erheblich, dass KI-Systeme diese Information in ihre Antworten aufnehmen.
Deshalb sind hochwertige Inhalte auf unabhängigen Websites und in Medien heute wichtiger denn je.
Google will keine Manipulation von KI-Ergebnissen

Wie wichtig dieses Thema geworden ist, zeigt sich auch daran, dass Google kürzlich seine Spam-Richtlinien aktualisiert hat.
Die neuen Regeln warnen ausdrücklich vor Versuchen, Inhalte mit dem Ziel zu manipulieren, KI-Ergebnisse und Empfehlungen zu beeinflussen.
Daraus entsteht eine neue Disziplin, die häufig als GEO – Generative Engine Optimization bezeichnet wird.
Im Gegensatz zu manchen SEO-Tricks der Vergangenheit macht Google jedoch deutlich, dass gefälschte Empfehlungen, künstlich erzeugte Bewertungen und Inhalte, die ausschließlich zur Manipulation von KI-Systemen erstellt werden, nicht toleriert werden.
Was bedeutet das für lokale Unternehmen?

Für Hotels, Tourismusorganisationen, Restaurants, Webagenturen und andere lokale Unternehmen ergibt sich daraus eine wichtige Erkenntnis:
Eine attraktive Website allein reicht nicht mehr aus.
Vertrauen muss auf mehreren Ebenen aufgebaut werden:
- durch hochwertige Fachartikel,
- durch authentische Kundenbewertungen,
- durch Präsenz in Medien,
- durch Expertenempfehlungen,
- durch aktive Kommunikation in sozialen Netzwerken.
KI-Systeme versuchen zunehmend, die Reputation eines Unternehmens zu bewerten – nicht nur dessen Suchmaschinenoptimierung.
Fazit
SEO wird nicht verschwinden.
Im Gegenteil: Es bleibt weiterhin einer der wichtigsten Kanäle zur Gewinnung von Besuchern und Kunden.
Doch es ist nicht mehr der einzige.
In den kommenden Jahren wird es ebenso wichtig sein, wie Google Ihr Unternehmen wahrnimmt, wie auch ChatGPT, Gemini, Perplexity und andere KI-Systeme darüber denken.
Unternehmen, die diesen Wandel frühzeitig erkennen, werden einen erheblichen Wettbewerbsvorteil haben.
Denn im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz reicht es nicht mehr aus, gefunden zu werden. Man muss empfohlen werden.

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